Mellikon: die Geschichte

Lange bevor es überhaupt Menschen gab, war über dem Ort, den wir heute als Mellikon gerne haben, lauter Wasser, ein grosses Meer mit Getier, von dem wir jetzt Versteinerungen finden in den Kalkfelsen rund um Mellikon. Dann begannen die Verwerfungen, Verschiebungen und Aufschüttungen, einerseits durch das Stossen der Erdplatten, anderseits durch die mehreren Eiszeiten und entsprechenden Gletscher, die kamen und gingen. Zeitweise floss der Fluss vor Mellikon in die andere Richtung und hätte dann wohl Donau geheissen. Es waren auch damals schon manchmal grosse Tiere in Mellikon: In der Kiesgrube unterhalb Mellikon fanden sich die Reste eines Mammuts, welche jetzt im Bezirksmuseum ausgestellt sind.

Viel später lebten auch Menschen hier, vermutlich immer Bauern. Der Name Mellikon geht auf den Namen „Mell-ing-hofun“ zurück, abgeleitet aus dem alemannischen „bei den Höfen der Sippe des Mello“. Später war die Gegend zeitweise Grenzgebiet des römischen Reiches, Reste eines Wachtturmes wurden unterhalb Mellikon’s 1922 abgebaut. Vermutlich lebten die Menschen damals in Holz- oder Erdhäusern, das erste Fundament respektive der älteste noch bestehende Keller ist jedenfalls erst im 2. Jahrtausend gebaut worden.

Eine „rechtgläubige“ Frau von der Burg Waldhausen schenkte 1113 verschiedene Grundstücke der Abtei Reichenau, was zur schriftlichen Erstnennung Mellikon’s führte. 1265 wurde Mellikon dem Bischof von Konstanz verkauft und viele Jahre lieferten dann die Bauern ihren Zehnten an die Probstei Zurzach ab. Vermutlich mausarm lebten die Menschen in totaler Abhängigkeit und wurden erst noch mehrmals ausgeraubt durch die fremden Heere, welche dem Rhein flussaufwärts oder flussabwärts folgten. Der Name Studenland weist darauf hin, dass im Wald statt Bäumen nur noch Stauden zu finden waren. Irgendwo heisst es: Der grösste Baum des Gebietes reichte nur bis zum Knie,

Protokolle der Tagsatzung Baden zeigen, dass die Bauern und die Tauner, Tagelöhner ohne eigenes Land oder Wald, recht unruhig waren. 1661 erstritten sie sich vor dem Gericht in Baden das Gemeinderecht und auch ein gewisses Nutzungsrecht, welches noch heute ausgeübt wird. Einige der Kläger hiessen „Knecht“, noch heute leben sechs Familien mit insgesamt 14 Personen unter diesem Namen in Mellikon und bilden zusammen die Taunergenossenschaft.

1916 wurde Mellikon zum Steinbruchdorf. Die Schweizerische Sodafabrik, welche bald von der Firma Solvay übernommen wurde, baute Kalkstein ab zur Herstellung von Soda. Alle Bauern arbeiteten als Steineklopfer im Steinbruch und erhielten dafür das erste Geld, welches auch in die Gemeinde floss. Während die Männer ihre harte Arbeit im Steinbruch leisteten, blieb die Bauernwirtschaft an den Frauen hängen. Auf den ersten Bildern jener Zeit sieht man den Armen der Frauen an, was sie an Unglaublichem leisten mussten. 1952 bis 1969 fand in Mellikon die Melioration statt. Darüber sind die heute noch drei Bauernfamilien immer noch froh, wie Ueli Laube, Milchbauer in Mellikon und Vater des Gemeindeammanns Rolf Laube berichtet.

Nachbaren zu Laubes waren Jetzers, eine Familie mit 10 Kindern. Der Vater war Maurer und später Baumeister, in beiden Weltkriegen jedoch Soldat. Die äusserst tüchtige Mutter leistete mit ihrem Gemüsegarten einen grossen Beitrag zum Überleben der grossen Familie. Das jüngste Mädchen war Helen, welche immer und noch immer in Mellikon lebt. Alle Kinder mussten damals helfen. Besonders hart traf es aber jene, welche durch Unglück oder Krankheit früh die Eltern verloren. Solche Kinder kamen auch von ausserhalb nach Mellikon, sei es durch Verwandtschaft oder durch „Zuteilung“ der Ämter. Einige leben immer noch hier und können erzählen, wie sie sich nach äusserst hartem Start zusammen mit ihren Lebenspartnern ein stattliches Leben erkrampften.

Seit Beginn der Schule gab es in Mellikon eine Gesamtschule, erste bis achte Klasse im selben Zimmer unter der Aufsicht einer Lehrperson. So trafen sich alle Kinder viele Jahre lang, auch jene der Berghöfe oberhalb von Mellikon. Auch Sepp Böhler besuchte die Schule 8 Jahre lang, bevor er zusammen mit seiner Familie den oberen Berghof bewirtschaftete. Ihr Sohn Daniel – wieder mit seiner Familie – ist heute als ganz innovativer Biobauer der Meister des oberen Berghofes. Im unteren Berghof leben und arbeiten Spuhler’s, tüchtige Leute welche neben dem Ackerbau hauptsächlich Schweine züchten, mästen und auch schlachten. Immer am Samstagvormittag kaufen viele Mellikerinnen und Melliker dort in der Hofmetzgerei fein geräuchertes oder frisches Fleisch für die ganze Woche ein.

Die Familien erkrampften sich den Fortschritt mit der Erwerbsarbeit der Männer, der Garten- und Hofarbeiten der Frauen und der Mithilfe der Kinder und jungen Erwachsenen. Wir sind dankbar für alles, was wir von der älteren Generation bekommen haben. Es war harte Arbeit und alle trugen ihren Teil dazu bei, sodass wir heute in recht guter Harmonie und mit gegenseitigem Respekt hier leben können.

Melliker Zeittafel

Alle Angaben aus „Mellikon - Vom Einzelhof zum kleinen Dorf“ von Sarah Brian Scherer und Andreas Steigmeier © 2003 Gemeinde Mellikon

  • 1113    Ersterwähnung Mellikon (Meliken) 
    Das vom alemannischen „Mell-ing-hofun“ abgeleitete Mellikon heisst übersetzt so viel wie „bei den Höfen der Sippe des Mello“. Aus der Zeit davor ist bekannt, dass an der Mündung des Dorfbaches ein Festungsturm der Römer stand. Sicher sagten also bereits früher Menschen: „Wir sind von Mellikon“.
  • 1265    Das Stift Zurzach, zu dem Mellikon gehört, gelangt in den Besitz des Bischofs von Konstanz
  • 1415    Die Eidgenossen erobern das Gebiet am Rhein, welches nun zur „Grafschaft Baden“ gehört
  • 1561    Jahreszahl am Schlössli, mögliches Erbauungsdatum
  • 1575    Stift Zurzach lässt Teilung des Hofes Mellikon in zwei Höfe zu, wenig später kommt es zur Teilung in vier Höfe
  • 1645    Anbau der Kapelle an das Schlössli durch Jost von Roll
  • 1661    Anerkennung als Gemeinde durch das Stift Zurzach.
    Tauner erhalten Nutzungsrechte an 1/5 des Hochwaldes
  • 1798       Mellikon wird Gemeinde des helvetischen Kantons Baden
  • 1803    Mellikon wird Gemeinde des neuen Kantons Aargau
  • 1817    Bau des ersten Schulhauses für die reformierten Kinder; die katholischen Kinder werden weiterhin in einer Privatstube unterrichtet
  • 1818    gemeinschaftlicher Beschluss, die Grundzinsen loszukaufen (Dauer des Loskaufs der Grundlasten bis 1897)
  • 1837    Ein einziger Lehrer unterrichtet ref. und kath. Kinder gemeinsam
  • 1847    Einrichtung einer Suppenküche, da sich viele Leute keine Lebensmittel mehr leisten können und Hunger leiden    
  • 1858    Bau und Einweihung des Gemeindeschulhauses für ref. und kath. Kinder
  • 1876    Eröffnung der Rheintalbahn zwischen Kaiserstuhl und Koblenz (mit Bahnhaltestelle Rümikon-Mellikon)
  • 1890    Zusammenlegung der bis anhin getrennt geführten ref. und kath. Schul- sowie Armenkassen
  • 1896    Konzession für den Zurzacher Fabrikanten Jakob Zuberbühler für ein Wasserkraftwerk am Tägerbach
  • 1911    Die Gemeindebürger entscheiden, eine Wasserversorgungsanlage zu bauen.
  • 1914    Gründung der schweizerischen Sodafabrik in Zurzach, Inbetriebnahme 1916 mit dem Melliker Steinbruch
  • 1916    erstes elektrisches Licht im Dorf, im Schulhaus und an der Dorfstrasse
  • 1925    Das Schulhaus verfügt als erstes Gebäude im Dorf über eine Zentralheizung
  • 1937    Die Strasse nach Rümikon erhält einen Teerbelag
  • 1938    formelle Gründung der Taunergenossenschaft
  • 1939    Ausbruch des Zweiten Weltkrieges: Belegung des Schulzimmers, der Gemeindekanzlei und verschiedener Privathäuser mit Soldaten; darum Bau einer
    Soldatenbaracke (heutiges Museum Mellikon)
  • 1945    Pius Lichtsteiner rettet das Kraftwerk Rekingen vor der Sprengung durch deutsche Soldaten
  • 1952    Güterregulierung (Projekt dauert bis 1957)
  • 1961    Anstellung des ersten vollamtlichen Gemeindeschreibers, zusammen mit Fisibach und Siglistorf
  • 1964    Genehmigung der ersten Gemeinde-Bauordnung; Ausarbeitung eines generellen Kanalisationsprojektes
  • 1974    Die geplante Sondermülldeponie im Melliker Steinbruch wird nicht realisiert
  • 1975    Inbetriebnahme der Zementfabrik Holderbank AG in Rekingen
  • 1986    Bürgeraktion gegen die geplante Verbrennung von Klärschlamm und Sondermüll im Zementwerk Holderbank AG in Rekingen
  • 1987    Stilllegung der Sodaproduktion in der Sodafabrik
  • 1990    Einweihung des neuen Mehrzweckgebäudes
  • 1995    Einweihung der eigenen Bahnhaltestelle Mellikon
  • 1998    Schliessung des Zementwerkes Holderbank AG wegen Überkapazität
  • 2000    Verwaltung 2000 heissen die zusammengelegten Gemeindebüros von Mellikon, Wislikofen/Mellsdorf, Böbikon, Baldingen; später kommen noch Rekingen, Rümikon und Kaiserstuhl dazu
  • 2001    Feuerwehr-Zusammenlegung mit Rümikon und Rekingen
  • 2001    Die LGZ Hochrhein AG kauft Gebäude und Schienenanlage der stillgelegten Zementfabrik und richtet einen Containerterminal ein.
  • 2004    Schulverlegung nach Wislikofen
  • 2004    Inbetriebnahme Trinkwasserkraftwerk
  • 2012    Die NAGRA bezeichnet Mellikon als möglichen Standort für eine Oberflächenanlage zum Tiefenlager für radioaktive Abfälle.
    Die Gemeinde feiert 100 Jahre Wasserversorgung, jede Haushaltung wird vom Brunnenmeister mit einer Festschrift und Wassergeschirr beschenkt.
  • 2013    Das Jubiläumsjahr beginnt mit einer Silvesterparty mit Fackelumzug und Schellengeläut. Den 1. August feiern Mellikon und Rümikon zusammen, dazu  verwöhnt uns die Fam. Spuhler mit Speis und Trank sowie Frau Ständerätin Egerszegi mit Worten.
  • 2038    Die Festwoche 12. bis 18. August 2013 wird im Festführer zum 925 Jahr Jubiläum gewürdigt.